Evangelische Kirchengemeinde

            Wiesenburg

Willkommen auf unseren Seiten

  Unsere Kirchen

 

Das Vaterunser

Das Grundgebet der gesamten Christenheit

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

 
 
» Home

Gedanken

Durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes wird uns besuchen das aufgehende Licht aus der Höhe, damit es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.

Lukas 1,78-79 

Liebe Gemeindemitglieder,

            auf unserem Dachboden befinden sich drei Kisten mit den Weihnachtssachen: Pyramiden, Sterne, Kerzenzubehör, Baumschmuck und einiges mehr. Alles gehört zum Weihnachtsfest, und unsere Kinder konnten es früher kaum abwarten, bis die Kisten, die ein Jahr lang auf dem Dachboden waren, wieder hervorgeholt und ausgepackt wurden.

Wahrscheinlich haben sie auch Ihren lieb gewordenen Weihnachtsschmuck, an dem auch Kindheitserinnerungen haften.

Aber was macht wohl Weihnachten im Innersten aus? Uns spricht Weihnachtsschmuck an mit Licht in dunkler Umgebung. Aber dieses Licht ist kein Selbstzweck, weil es einfach schön aussieht, so wie die Bäume der Prachtstraßen der großen Metropolen mit tausenden von Lichtern geschmückt sind. Das Weihnachtslicht hat eine tiefere Bedeutung. es steht für das kleine Kind in der Krippe, das wie ein kleines Licht die Dunkelheit durchbricht.

Gott wird Mensch, klein und verletzlich wie ein Kind. Das heißt, er kommt zu denen, die auch nicht auf der Seite der Macht und des Reichtums stehen. Was für ein Gegenmodell zu dem, was heute in der Welt zählt: Größe und Erfolg. Was für ein hoffnungsvolles Zeichen in dieser Welt.

Eine Geschichte erzählt einmal von einem Jungen, der vor einer Krippe stand und wie die drei Könige dem Jesuskind etwas Wertvolles schenken wollte: Seine elektrische Eisenbahn.

Das Jesuskind aber sagte: „Ich möchte aber gar nicht deine elektrische Eisenbahn. Schenke mir deinen – letzten Aufsatz.“ „Meinen letzten Aufsatz? Stammelte der Junge.“ „Aber da steht doch eine ungenügend drunter“. „Genau deshalb will ich ihn haben“ antwortete das Jesuskind. „Du sollst mir immer das geben, was nicht genügend ist. Dafür bin ich in die Welt gekommen.“ „Und dann möchte ich noch etwas von dir“, fährt das Kind in der Krippe fort: „Deinen Milchbecher.“ „Aber der ist doch zerbrochen“, sagte der Junge traurig. „Eben deshalb. Du kannst mir alles bringen, was in deinem Leben zerbricht“. Und der Junge hörte zu und staunte.

Was für eine Botschaft an der Wende des Jahres 2017 zu 2018. Dieses Jahr begann mit einem lauten „Make America great again“ Der Ruf, Amerika wieder groß zu machen, ist nur einer von vielen in einer Welt, in der sich immer mehr Staatslenker darauf zu besinnen scheinen, die eigene Stärke des Landes, auch auf Kosten anderer, schwächerer, durchzusetzen. Nicht nur die Sprache ist in diesem Jahr 2017 roher geworden.

2017 gab es in Deutschland auch noch nie so viele Arme, und die wenigen reiche hatten noch nie so viel Geld. Das Streben nach Größe, Macht und Reichtum ist letztendlich die Dunkelheit dieser Welt.

Das Kind in der Krippe hatte hatte all das nicht und hat deswegen ein Licht in die Welt gebracht.

Die Krippe ist der Mittelpunk von Weihnachten. Möge Gott auch nach Weihnachten in unserem Leben sein.

 

Pfr. Schönfeld

 

Wie sieht Gott eigentlich aus?

Wer für sich sagen kann „Ich glaube, dass es Gott gibt“, fragt sich früher oder später: Wie kann ich ihn mir vorstellen? Und solche Vorstellungen sind so alt, wie die Religion selber.

Wir Menschen können wahrscheinlich gar nicht anders, weil wir vorwiegend visuell, in Bildern denken. Und da macht Gott keine Ausnahme.

Für die einen ist es ein gütiger alter Mann mit Bart, für die anderen das Gute in der Welt. Was sagt aber die Bibel eigentlich dazu?

Erst einmal weiß die Bibel, dass wir in Bildern denken und verwendet auch Bilder für Gott. Schon am Anfang der Bibel wird gesagt, dass der Mensch nach dem Abbild Gottes geschaffen wurde, Gott selbst erscheint als Gärtner, der den Garten Eden pflanzt. In bekannten Gebeten wird er als Hirte bezeichnet, der sich um seine Schafe sorgt. Treusorgende Mutter, Braut und Bräutigam sind weitere Bilder. Jesus spricht vom Vater im bekannten Vaterunser. Eine Taube wird als Bild für Gott den Heiligen Geist gebraucht und Jesus selber ist der menschgewordene Gott.

Auf der anderen Seite heißt es in dem zweiten der zehn Gebote: „Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen … Bete sie nicht an und diene ihnen nicht“.

Die Kirche hat sich immer schwer getan, wie man damit umgehen soll. Martin Luther hat dieses Gebot sogar in seinem Kleinen Katechismus gestrichen. Auch wenn der Hintergrund der war, dass aufgebrachte Menschen in Wittenberg anfingen, alle Bilder aus den Kirchen zu werfen, weil sie die Bibel jetzt ernst nehmen wollten, ist es schon schwer zu rechtfertigen, wie der Reformator hier mit der Bibel umging, die er doch über alles stellen wollte.

Wie sieht Gott denn nun aus? Ich denke, die Bibel weiß, dass wir in Bildern denken, aber sie weiß auch, dass Gott mehr ist als unsere Vorstellungen. Und so ließe sich das zweite Gebot übersetzen: Leg Gott nicht fest auf eine Vorstellung, ein Bild von ihm! Gott ist sowohl der allmächtige Schöpfer der Welt wie auch die jämmerliche Gestalt am Kreuz, er ist sowohl treusorgender Vater und liebende Mutter als auch die Kraft, ohne im Glauben nichts geht, das Benzin, das die Kirche antreibt. Es darf immer ein Bild an erster Stelle in deinem Leben stehen, aber lege Gott darauf nicht fest.

An einem goldenen Herbsttag oder zu Erntedank sehe ich den Schöpfergott. Angesichts von Ungerechtigkeit, Leid und Tod sehe ich den Gott am Kreuz, der mir sagt: Ich bin nicht weit weg in einem Himmel, sondern mitten unter euch und weiß, wie es euch geht. Wir dürfen sicher sein, auf wessen Seite Gott steht, nämlich auf der Seite der Unterdrückten. Ich sehe aber angesichts des Todes Gott als Christus den Auferstandenen, der mir eine Hoffnung gibt, die sonst niemand geben kann.

Wir Menschen brauchen für unsere Vorstellungen Bilder, so auch von Gott. Für den Glauben ist es wichtig, diese Bilder zu haben in dem Wissen, andere Menschen haben andere Bilder, denn Gott lässt sich nicht festlegen.

Gottesdarstellung in der Kirche in Wiesenburg

 

Die Bibel in Bildern unserer Kirche

In unseren Kirchen im Pfarrbereich Wiesenburg finden sich Bilder, die darstellen, was in der Bibel zu lesen ist. In lockerer Folge sollen diese Bilder mit ihrem Inhalt und ihrer Botschaft vorgestellt werden.

Das Gleichnis vom Sämann (Lukas 8,5-10)

an der Kanzel der Kirche zu Jeserig

Eines der Brüstungsfelder der Jeseriger Kanzel stellt das Gleichnis vom Sämann dar, das Jesus uns erzählt:

Als nun eine große Menge beieinander war und sie aus den Städten zu ihm eilten, redete er in einem Gleichnis:

Es ging ein Sämann aus, zu säen seinen Samen. Und indem er säte, fiel einiges auf den Weg und wurde zertreten, und die Vögel unter dem Himmel fraßen's auf.

Und einiges fiel auf den Fels; und als es aufging, verdorrte es, weil es keine Feuchtigkeit hatte.

Und einiges fiel mitten unter die Dornen; und die Dornen gingen mit auf und erstickten's.

Und einiges fiel auf gutes Land; und es ging auf und trug hundertfach Frucht. Als er das sagte, rief er: Wer Ohren hat zu hören, der höre!

Das Bild ist nicht zufällig an der Kanzel angebracht, dem Ort in der Kirche, wo von Jesus und seinem Reich Gottes erzählt wird. Es ist unsere Erfahrung, dass diese Botschaft längst nicht alle erreicht. In den darauffolgenden Versen wird das, was im Gleichnis gesagt wird, auch erklärt (was bei Gleichnissen eigentlich nicht üblich ist). Die Samenkörner auf dem Weg, im Fels, die ohne Feuchtigkeit bedeuten Gleichgültigkeit, Reichtum und übermäßige Sorgen, die uns von der Erfahrung von Gottes Reich unter uns abhalten.

Das Bild in der Jeseriger Kirche zeigt Gott (zu erkennen am langen Bart) in der Tracht der Bauern vor 200 Jahren als Sämann. In Hintergrund sind die Vögel zu sehen, die sich über die Saat hermachen. Doch den Vordergrund bildet das hoffnungsvolle Ende des Gleichnisses: Einiges fiel auf gutes Land.

 

Kirche und Staat

Als ich vor Jahren einmal in eine Seniorenveranstaltung eingeladen wurde, um dort über die Kirche zu sprechen und die Kirchengemeinde vorzustellen, griff mich ein älterer Herr empört verbal an: Wie die Kirche dazu käme, von Arbeitslosen auch noch Geld zu verlangen und zu bekommen. Was er meinte, war der Umstand, dass auf den Bescheiden zum Arbeitslosengeld die Kirchensteuer abgezogen wurde, auch wenn der Betreffende gar nicht in der Kirche ist. Dieses Geld wird zwar einbehalten, jedoch die Kirche bekommt davon nichts. Es ist lediglich eine auf alle angewandt Durchschnittsberechnung der Abzüge, und da geht der Staat davon aus, dass dieser Durchschnittsbürger in der Kirche ist.

Und dies ist gerade im Osten nur noch zu einem eher geringen Prozentsatz der Fall. Und ich erlebe gerade hier, dass von vielen Menschen eine vermeintliche Nähe von Kirche und Staat als Rückschritt gesehen wird. Obwohl wir in einem Land leben, in dem Staat und Kirche getrennt sind, wird diese Trennung von vielen außerhalb der Kirche Stehenden als nicht konsequent empfunden.

Die Beziehung von Kirche und Staat hat eine lange Geschichte, die schon im Neuen Testament beginnt und die bis heute in Deutschland noch nicht abgeschlossen ist. Für mich sind zum Verständnis drei Jahreszahlen wichtig: 1517, 1803 und 1919.

Als Martin Luther mit der Reformation der Kirche begann, konnte er das nicht ohne die Kurfürsten, die ihre schützende Hand über ihn hielten. Sonst hätte er das Schicksal der Reformatoren vor ihm auf dem Scheiterhaufen geteilt. Die Landesherren machten die Reformation nicht nur zu ihrer Sache, sondern sie waren auch die obersten Kirchenherren. Dass der Staat sich bis heute, gegen eine Gebühr, um die Einziehung der Kirchensteuer kümmert, geht auf diese Zeit zurück.

Ein zweites wichtiges Jahr, das im Verhältnis von Kirche und Staat bis heute nachwirkt, ist das Jahr 1803. Napoleon hatte das gesamte deutsche Gebiet links des Rheins besetzt. Die Fürstentümer, die hier Land verloren, wurden durch kirchlichen Besitz entschädigt. Dieser wurde, nachdem Napoleon besiegt war, nicht zurückgegeben, statt dessen, bekamen die Kirchen Geldzahlungen von den Fürstentümern und bis heute von Staat.

Das dritte Jahr  das Jahr der Weimarer Verfassung von 1918. auf das unser Grundgesetz auch noch fußt. Kirche und Saat wurden zwar getrennt, die Landeskirchen selbständig und bekamen einen Bischof, viele besondere Beziehungen zwischen Staat und Kirche blieben aber bestehen in der Diakonie, im Bildungswesen oder in der Militärseelsorge.

Inzwischen vergeht kaum ein Jahr, in dem nicht Entwicklungen zu beobachten sind, die das Verhältnis von Kirche und Staat weiter verändern. Das Kruzifixurteil in Bayern erlaubt Kreuze in Klassenzimmern nur noch, wenn alle einverstanden sind. Muslimischer Religionsunterricht ist inzwischen keine Seltenheit mehr. Ist das Christentum bald nur noch eine Religion unter vielen?

Ich denke nicht, denn die Kirchen unserer Orte erinnern uns an die vom Glauben getragene Kultur, die uns seit 1000 Jahren geprägt hat, mit allen Licht- und Schattenseiten. Dies sollte dem Staat auch weiterhin eine besondere Aufmerksamkeit wert sein. Denn wenn diese Tradition mit lebendigem Glauben wieder gefüllt wird, tut das auch dem Land gut.

Schloss und Kirchengebäude in Wiesenburg, „weltlich und geistlich Regiment“, Staat und Kirche: Seit Jahrhunderten nebeneinander

 

Liebe Gemeindemitglieder,

auf vielen Kirchtürmen, wie auch auf dem in Medewitz, steht ein Hahn. Er dreht sich – wenn er gut geschmiert ist – nach dem Wind. Aber die Anzeige der Windrichtung ist nicht seine eigentliche Aufgabe; das könnte auch eine Wetterfahne.

Foto: Jens Hahm

Seine eigentliche Aufgabe ist vielmehr die Erinnerung: Der Hahn auf dem Kirchturm erinnert an den Hahn aus der Passionsgeschichte Jesu: Jesus steht vor Gericht. Draußen im Hof sitzt Petrus. Ihm hatte Jesus wenige Stunden vorher gesagt: “Bevor der Hahn zweimal kräht, wirst du mich dreimal verleugnen”.

Er hätte auch sagen können: “Bevor die Nacht vorüber ist…” oder “Innerhalb der nächsten Stunden…” Stattdessen verwendet er ein Bild. Damit Petrus sich besser erinnert. Weil Bilder der Erinnerung auf die Sprünge helfen.

Während Petrus draußen am Feuer sitzt, wird er mehrfach darauf angesprochen, dass er doch auch zu Jesus gehöre – zu dem, dem man gerade drinnen den Prozess macht. Petrus streitet das ab – ob aus Angst oder aus Taktiererei oder aus Vergesslichkeit, darüber erfahren wir nichts. Er leugnet einfach seine Beziehung zu Jesus. Dreimal.

Und da kräht der Hahn. Und Petrus geht hinaus und weint bitterlich.

Seitdem ist der Hahn das Symbol der kirchlichen Erinnerung in der Christenheit, und darum steht er auf so manchem Kirchturm. Er erinnert uns daran, dass Dinge falsch laufen, auch manchmal, dass es so nicht weitergeht. Zuweilen erinnert er uns auch an unsere Feigheit, Taktiererei, unsere Vergesslichkeit. Er erinnert uns daran, dass auch wir uns wie der Wetterhahn oft nach dem Wind drehen. Oftmals fällt uns das gar nicht mehr auf, sind wir sozusagen betriebsblind. Um für sich selbst einmal auch innezuhalten, dafür ist die Passionszeit da, die Zeit zwischen Aschermittwoch und Ostern. Für mich ist es in diesen Wochen wichtig, Stück für Stück die Passionsgeschichte zu lesen. Um dann zu sehen: Dieser Jesus leidet und stirbt genau in unserer Welt von Gewalt und Ungerechtigkeit, in einer Welt, in der Menschen vom Krieg gezeichnet zu uns kommen, in einer Welt, in der die 80 reichsten Personen genauso viel besitzen wie die dreieinhalb Milliarden ärmsten.

Auf dem Kirchturm in Medewitz schaut der Hahn auf einen Stern, der noch über ihm ist. In alten Kirchenliedern wird vom Morgenstern gesungen, der den Tag, der Gottes neue Welt ankündigt. Es muss nicht alles so bleiben, wie es ist. Auf die Passionszeit folgt das Osterfest. Freude und Auferstehung auch schon im Leben. Feiern wir Jesus in unserer Mitte!

 

Es grüßt Sie

Pfr. Schönfeld

 

"Glück gehabt"

von Pfarrer Daniel Geißler

"Glückliches Neues Jahr" oder "Viel Glück im Neuen Jahr"? Was wünscht man eigentlich? Im deutschen hat das Wort "Glück" zwei Bedeutungen. Zum einen beschreibt es ein Gefühl. Ich spüre, dass ich zufrieden bin, "glücklich" eben. Zum anderen beschreibt es die Tatsache, dass ein Ereignis, ohne dass wir etwas dafür konnten, für uns positiv ausgegangen ist. Dass ich mit einem Würfel eine sechs würfle, dafür kann ich nichts, das ist Glück. Und wenn mein Auto morgens auf einer nassen Straße ins Schlingern gerät, weil ich noch keine Winterreifen drauf habe, aber ich noch unfallfrei bis zu meiner Werkstatt komme, dann hatte ich Glück. Diese beiden Bedeutungen von "Glück" stehen im Zusammenhang: Nachdem ich unverdient Glück hatte fühle ich mich glücklich.

"Gott nahe zu sein ist mein Glück" dieser Satz aus dem 73. Psalm steht als Losung über dem neuen Jahr 2014. Das klingt so fröhlich und unbeschwert, aber der Psalm erzählt die Geschichte eines Konflikts. Der Dichter nennt sich Asaf und der erzählt erst mal, dass er überhaupt nicht glücklich ist. Er schaut sich in der Welt um und muss zu seiner Enttäuschung erkennen: Der Ehrliche ist der Dumme. Während er sich an Gott und seine Gebote hält, sieht er, dass es den Rücksichtslosen und Egoisten gut geht. Auf Kosten anderer und ohne schlechtes Gewissen werden sie reich und gesund, während es ehrlichen und gottesfürchtigen Menschen schlecht geht. "Du musst ein Schwein sein in dieser Welt" sangen einst "Die Prinzen" und das denkt auch Asaf. Wenn Gott diese "Glücksschweine" nicht bestraft, was nützt es dann ehrlich, mitleidig und solidarisch zu sein? Asaf wird vom Neid geschüttelt angesichts der Ungerechtigkeit in der Welt. Doch als er die Entscheidung trifft, dann eben ohne Gott genauso rücksichtslos zu leben, wie die "Glücksschweine" merkt er, dass er das nicht kann. Er kann nicht rücksichtslos sein. Er betet und erkennt, welchen Schatz er hat. Alles Glück der erfolgreichen ist brüchig, es steht auf "schlüpfrigem Boden", schreibt er. Es gibt keine Garantie, wie lange es hält. Bei Gott hat er einen Grund, der ihn sein Leben lang getragen hat, in Freuden- und Krisenzeiten und der ihn bis zu seinem Tod und darüber hinaus tragen wird. Hier schließt Asaf mit der Erkenntnis "Gott nahe zu sein ist mein Glück". Gottes Nähe die mich trägt, habe ich mir nicht verdient, dass ich sie trotzdem erleben darf, ist ein "Glücksfall". Und wenn ich mir dessen bewusst werde, fühle ich mich auch glücklich.

Das mittelhochdeutsche Wort "gelücke" bedeutet "Art, wie etwas gut endet". Glücklicher Zufall und Glücksgefühle sind von begrenzter Dauer. Gottes Nähe ist meine Hoffnung, dass alles gut enden wird.

 

"Wie kann ein Mensch gerecht sein vor Gott?"

Hiob 4.17 Monatsspruch Oktober

von Pfarrer Martin Zinkernagel

Mein Sohn ist seit Neuestem ein Werke - Fan. Das hat er zumindest gestern beim Frühstück verkündet. Da saß er mir mit seinem 100% Werder (Bremen) T-Shirt gegenüber. Da ich selbst bekennender Schalker bin, wollte er mir wohl was Gutes tun. "Also ich bin WERder Fan und du bist SchalKE Fan - also sind wir zusammen WER - KE - Fans. Damit Du nicht traurig bist."

Ich habe den Eindruck, dass viele Menschen Werke - Fans sind. Vielleicht nicht im Fußball. Aber zumindest in religiösen Fragen.  Für viele Menschen geht es in der Religion und im Leben um das Tun. Was muss ich tun, um vor Gott oder den Menschen gerecht zu sein? Selbst wenn man nicht glaubt, geht es im Leben doch darum, Gutes zu tun. Dann geht es sicher nicht darum, gerecht vor Gott zu sein, aber man will, dass das eigene Leben Bestand hat und dass andere an mir nichts auszusetzen haben. Und manchmal überwiegt dann der olympische Gedanke: Immer weiter, immer schneller, immer höher. Eigentlich strengt das an und bringt uns nicht weiter. Oft stehen wir vor dem eigenen Scheitern oder leben mit dem Gefühl, dem Anspruch nicht richtig zu genügen.

Ein ganz anderer Klang tönt uns da aus dem Neuen Testament entgegen. "Wie kann ein Mensch gerecht sein vor Gott?" "Das Leben eines Menschen hat nur Bestand durch den Glauben an Jesus Christus." Eine einfache und deutliche Antwort. Entdeckt wurde diese Antwort von Martin Luther. Sie führte zur Reformation. Es geht nicht um unser Tun, unsere "Werke". Es geht darum, was Jesus für uns getan hat. Damit kommt der ganz andere Ton zum Klingen: Nicht was ich tue, kann oder besitze zählt, sondern was Jesus am Kreuz für uns getan hat. Es ist die Melodie der Freiheit. Ich bin frei von Leistungsdenken. Nicht wir überwinden den Abstand zu Gott durch Gutes - Tun. Das schaffen wir nie. Nur die persönliche Beziehung zu Jesus hilft uns, den Abstand zu überwinden. Auch die kirchliche Spielart der Werke hilft da wenig: Ich bin getauft, Kirchenmitglied, habe kirchlich geheiratet - das ist sicherlich alles nicht schlecht. Aber Jesus lädt uns zu mehr ein: Mit ihm eine tiefe, persönliche Beziehung zu leben. Jesus holt uns durch seinen Tod in die Nähe Gottes. Ich darf seine Liebe zu mir ganz persönlich erleben: Durch Vergebung meiner Schuld. Nicht mehr die Altlasten geben mir meinen Wert, sondern Jesus macht mich frei zu neuem Leben. Das ist wahre Freiheit. Nicht mehr das, was ich getan oder gelassen habe, bestimmt meinen Wert, sondern allein Gottes Liebe. Vergebung ist das Geschenk Gottes an uns. Wir müssen sie uns nicht verdienen. Am Kreuz hat Jesus unsere Schuld auf sich genommen und hat sie fort getragen. So bin ich jetzt schon gerecht vor Gott. Mein Leben hat Bestand. Heute und morgen, wenn ich aus der Gnade Gottes lebe. Diese Erfahrung wünsche ich Ihnen für Ihr Leben.

Gedanken zum Wochenende von Pfarrer Martin Zinkernagel

„Was hilft es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, aber doch schaden an seiner Seele nimmt.“                                    Matthäusevangelium 16 Vers 26

Es klingelt mal wieder das Telefon. Es reißt mich mitten aus der Vorbereitung der Predigt heraus. Eine freundliche Frauenstimme begrüßt mich und verkündet mir, dass aus Tausenden von Telefonbesitzern ausgewählt worden sei und der stolze Besitzer einer Kiste Moselwein bin. Ich fühle mich geehrt – und lege auf. Ein paar Tage später ist es ein freundlicher Herr, der mir einen Monat Lottospiel verspricht. So schnell kann man am Telefon zum Gewinner werden. Alles noch nicht die Supergewinne. Noch nicht die Welt, die ich gewonnen habe. Aber eigentlich soll man bescheiden beginnen. Lust auf Gewinn, den Gewinn seines Lebens hat doch jeder. Es muss nicht gerade die Weltherrschaft sein, aber da mal 10000.- € oder zumindest ein Reise Das wäre doch was. Und das meine ich ganz ehrlich. Was steckt eigentlich hinter dieser Sehnsucht, die eigentlich jeder kennt? Es steckt steckt der Wunsch nach Anerkennung dahinter. Wenn ich was gewonnen habe, fühlt sich vom Glück bedacht. Man ist jemand – je höher der Gewinn, desto besser das Gefühl. Ich werde bewundert. Und das tut gut.

Aber dieser Wunsch kann auch zu etwas anderem führen: Ich hänge mein Herz daran, Anerkennung zu gewinnen. Ich kann mich auch an so etwas verlieren. Nur noch daran interessiert sein. Ich kann mein Herz daran verlieren, Anerkennung zu gewinnen. Die Sehnsucht nach Anerkennung kann mich soweit treiben, dass ich nicht ich selber bin. Alles dran setze zu gewinne. Vielleicht sogar abhängig werde. Da kann dann die Seele auf der Strecke bleiben.

Gut ist es im Leben etwas außerhalb von mir zu haben, dass mir meinen Wert gibt. Mir hilft es dann, in Jesus verankert zu sein. Dann brauche ich nicht die Welt zu gewinnen, um etwas darzustellen. Nicht einmal den Wein, um die Seele zu schmeicheln. Ich bekomme meinen Wert durch seine Liebe. Er hält zu mir, auch wenn ich der Looser der Welt wäre. Seine Liebe zu mir gilt unabhängig von meiner Leistung. Meine Seele kann aufatmen.

                                                            

 

Meine Zeit

Gedanken zum Wochenende von Ulrike Petermann aus Reetz

Meine Zeit steht in Deinen Händen ... – Ich bekomme inzwischen pro Tag mehr E-Mails als ich lesen kann. Ständig klingelt mein Handy und meine Kinder können sich innerhalb einer halben Stunde genug Material aus dem Internet laden, um ein großes Schulplakat zu gestalten. In der Praxis meines Zahnarztes liegen mehr Journale, als ich überhaupt kenne und pro Woche erhalte ich mehr Anrufe, als vor 25 Jahren in einem märkischen Dorf auf der Poststelle pro Monat eingingen.

Manchmal höre ich eine Predigt oder lese eine Andacht und nehme mir dann vor, unbedingt wieder mehr in der Bibel zu lesen und für meine Gebete wieder mehr Zeit einzuplanen. Leider bleibt es oft beim Vorsatz und beides kommt zu kurz. Empfängt Gott eigentlich auch Gebete im SMS-Format? Darf ich als Christ eine Art Fast-Food-Gebet sprechen? Frei nach dem Motto: Ich stehe gerade an einer roten Ampel und nutze die 20 Sekunden Wartezeit für rin schnelles Gebet?

Vielleicht, aber wirklich befriedigend scheint mir das nicht zu sein. Ich tröste mich mit einem neuen Gedanken: Gott ist jenseits von Raum und Zeit: „Ich werde sein, der ich sein werde“, hat er zu Mose gesagt (2.Mose 3) Zeit ist für Gott keine limitierende Größe. Er kann sie sich nehmen, wie er es für richtig erachtet. Sie rennt ihm nicht weg, er muss sie auch nicht planen. Gott steht außerhalb der Zeit. Manchmal wünsche ich mir, ich stünde außerhalb der Zeit. Was könnte ich alles tun. Ich könnte manche guten Gespräche mit Freunden viermal hintereinander führen oder Menschen treffen, die schon lange verstorben sind. Ich hätte endlich genug Zeit zum Lesen oder für einen Fotografiekurs. Morgens könnte ich stundenlang mit meinen Kindern kuscheln und meine Zeitung gemütlich einmal von vorn bis hinten vollständig lesen. Ja, das wäre schön!

Und Gott? Gott nimmt sich diese zeit. Mir fällt eine Liedzeile ein:“ Meine Zeit steht in Deinen Händen, nun kann ich ruhig sein, ruhig sein in Dir“. Gott hält meine Zeit in seinen Händen. Mir kommt der Gedanke, dass er dann ja auch meine Zeit in seinen Händen hält. In der Tat ist das beruhigend. Bedeutet dies nicht, dass er damit schon ganz sicher dafür Sorge trägt, dass ich genug Zeit habe für die wichtigen Dinge? Also genug Zeit für Gebet und Bibel, Ehemann und Kinder, Freunde und mich selbst? Gut möglich.

Wird diese Erkenntnis mein leben grundlegend verändern? Nein, ich habe weiterhin zu viele Mails und Anrufe und zu wenig Zeit. Aber die wenige Zeit das nehme ich mir fest vor, werde ich mehr genießen und stärker darauf vertrauen, dass Gott für mich sorgt, er sorgt sogar für meine Zeit.

 

Ein kleiner Gruß....

Egal wie das Wetter heute  ist,
Egal wie deine Umstände sind.
Egal was vor dir steht.
Egal was dich bedrückt.
Egal was dich belastet

Schau immer auf Gott
und denke gut von deinem Leben
 Jeder Tag ist ein Geschenk, auch der heutige.
Und wisse: Gott hat auch hier das letzte Wort.

Gott will das du den heutigen Tag auslebst,
dieser Tag ist für ihn und für dich ganz wichtig.

Lebe dein Leben ohne Radiergummi.
==========================
Lass Dinge geschehen, die geschehen müssen.
Gott hat es gewollt,
Alles dient zu deinem Besten.
Dein Vater im Himmel hat jede Sekunde deines Lebens geplant
Wenn du mit Gott lebst, lebst du ein geplantes, gewolltes, bewusstes Leben

 






 

 
 
http://ev-kirchengemeinde-wiesenburg.de/ 
.:  Mike Muster GmbH & Co. KG - Spezialstrasse 55 - 47234 Sampletown  :.